|
Wie wird man eigentlich
Züchter?
Zunächst möchte ich vorausschicken, dass wir beim
Kauf unseres ersten Tibis eigentlich nur einen schönen,
kinderfreundlichen, anhänglichen und familienbezogenen
Haushund mittlerer Größe suchten und nach einigen Recherchen
auf diese tolle Rasse Tibet Terrier stießen. Ab da war es
"Liebe auf den ersten Blick". Wir waren begeistert von diesen
kleinen haarigen lustigen Gesellen, die mehr über die Wiesen
flogen als liefen und Zuhause so ruhig, anhänglich und einfach
nur drollig waren. Über mehrere Hunde in unserem Haus oder gar
über das Züchten hatten wir nie nachgedacht. Wir wollten
einfach einen netten Familienhund als Zuwachs in unserer
Familie.
So kam unser ersten
Tibi-Rüde Fendor und ehe wir es selber wussten, war es längst
um uns geschehen. Es dauerte nicht sehr lange bis wir wussten:
Es wird nicht bei einem Tibi bleiben. So bekam Fendor
Gesellschaft von seinem tollen Kameraden Ihlan. Die beiden
sind unzertrennlich und teilen Bett und Napf. Es ist einfach
nur toll zu sehen, wie Tibis spielen und miteinander umgehen.
Man kann als Mensch noch so sehr für seinen Tibet Terrier
sorgen und seine Bedürfnisse berücksichtigen, aber den Umgang
mit einem oder mehreren anderen Tibis kann man ihm nicht
ersetzen.
So lernten wir schnell
von und mit unseren beiden "Männern" und waren begeistert. Ich
bin schon als Kind mit Hunden groß geworden und habe sie immer
geliebt, aber Tibis sind unvergleichlich. So entstand schnell
eine tiefe Bindung und Liebe zu unseren Beiden. Dazu kam, dass
sich beide gut entwickelten. Auch äußerte die Züchterin, von
der wir die beiden
haben, den Wunsch, sie mal zum Decken nutzen zu
können. Damit nahm das Unausweichliche seinen Lauf.
Als Anfänger bemerkten
wir nur, dass wir sie immer hübscher fanden. Auch "Kenner"
bestätigten uns, dass man mit ihnen unbedingt weiter machen
sollten. Aber was hieß das? Wir machten uns schlau, berieten
uns mit der Züchterin und besuchten Hundeschule und
Ringtraining. Und so kam es, dass ich mit Fendor und vor
Aufregung zitternden Händen an meiner ersten Clubschau
teilnahm. Es war einfach nur spannend. Wie musste ich das Fell
kämmen, damit er gut zur Geltung kam? Wie musste ich ihn
händeln? Kurz und gut: Es klappte prima und Fendor bekam die
beste Formwertnote, die es in dieser Klasse gab. Zudem wurde
er für die Zucht für sehr tauglich befunden. Wir waren
glücklich. Aber wenn man in einem Verein des VDH züchten will,
muss man auch an gesundheitliche Aspekte der Tiere denken,
bevor man sie in der Zucht einsetzt. So mussten auch meine
Jungs neben der äußerlichen Begutachtung (Körung) zum
Tierarzt. Und zwar nicht zu irgend einem Tierarzt, sondern
einem besonders ausgebildeten, dem DOK (Dortmunder Kreis)
angeschlossenen Veterenär, der sich speziell mit erblichen
Augenerkrankungen beim Hund auskennt. Hier bekommt das Tier
für die Augenuntersuchung Tropfen in die Augen. Dann wird es
gründlich auf erbliche Augenfehler untersucht. Außerdem müssen
unter Narkose die Hüften auf Hüftdysplasie untersucht - also
geröngt - werden. Und während der Narkose wird Blut für die
Einlagerung in der DNA-Datenbank abgenommen. So kann man auch
später noch auf erbliche Krankheiten untersuchen, wenn dies
erforderlich ist. All dies ist uns jedes Mal nicht leicht
gefallen. Es ist immer eine aufregende Entscheidung, sein
geliebtes, gesundes, junges Tier
in eine Narkose zu versetzen. Und jedes Mal bin
ich herzlich dankbar, wenn alles gut geht und mein Hund
wohlbehalten wieder aufwacht. Nach den Untersuchungen werden
die Unterlagen offiziell an den Verein gegeben, von Gutachtern
ausgewertet und die Ergebnisse veröffentlicht. Dann zittert
man etwa einen Monat, ob alles gut ist. Bei unseren Jungs war
alles prima (beide HD-A und auch die Augen sind gesund) und
wir waren sehr erleichtert.
Wir besuchten zunehmend
Ausstellungen mit unseren Rüden und lernten auch andere
Züchter und Liebhaber der Rasse kennen. Und so entwickelte
sich langsam aber sicher der Wunsch: Wir möchten auch mal
selber Tibis aufziehen und eigene Würfe haben.`. Zudem kam
eine günstige Fügung des Schicksals zu Hilfe, dass wir sowohl
zeitlich, räumlich als auch finanziell die Möglichkeit haben,
zum Einen mehrere Hunde zu halten und zum Anderen auch Babies
aufzuziehen. Dabei muss ebenfalls aus meiner Sicht geklärt
sein, dass alle Familienmitglieder mit eingebunden sind und
dazu bereit sein müssen, tatkräftig mitzuhelfen.
Aber wie geht man vor?
Ich kann jedem, der einmal einen Hund anschaffen oder sogar
züchten möchte nur empfehlen, sein Tier bei einem guten
Züchter zu kaufen, der die wirklich wichtigen Dinge beachtet,
der seriös erscheint und der auch nach dem Kauf mit Rat und
Tat zur Seite steht. Sicher kann man nie verhindern, dass
Fehler passieren oder unvorhersehbare Dinge eintreten, aber
für einen guten Start sind die besten Voraussetzungen gerade
gut genug. Und so hatten wir unsere erfahrene Züchterin an der
Seite als es um die ersten Schritte in Richtung eigene Zucht
ging. Zunächst beantragte ich einen eigenen Zwingernamen, der
über den VDH
(Verband für das deutsche Hundewesen)und die FCI
(Fédération Cynologique Internationale) geschützt ist. Wir
heißen nun "Kya-la Fen`s". Das kommt aus dem Tibetischen und
bedeutet "Löwengesichter". Der Anhang "Fen" ist einfach die
Abkürzung für unseren ersten Tibi Fendor.
Dann erfuhr ich, dass es
eine tolle Datenbank mit den Ahnentafeln der Tibet Terrier
gibt, aus der man Einiges zum Thema Abstammung und Vererbung
herausarbeiten kann (das so genannte "Bauck-Programm"). Mit
Hilfe dieses Programmes, das ich mir gleich kaufte, suchte ich
im Internet und über persönliche Kontakte nach meiner ersten
und später auch nach weiteren Hündinnnen. Sie sollte ja auch
zu meinem Fendor passen. Außerdem informierte ich mich breit
darüber, was man beachten muss, wenn man Rüden und Hündinnen
in dieser Konstellation zusammen hält. Lange überlegten wir,
ob wir die Kraft haben, auch Zeiten der Läufigkeit
durchzustehen, wo Rüden und Hündinnen getrennt werden müssen,
damit keine ungewollte Zufallsdeckung erfolgt. Wir erhielten
diverse Ratschläge von: "Lass es lieber ganz." bis "Es ist
sogar mit zwei Rüden einfacher!". So bildeten wir uns eine
eigene Meinung, entschlossen uns, auf jeden Fall zwei
Hündinnen zu den beiden Rüden zu stellen und starteten unser
"tibetanisches Abenteuer". Es klappte alles gut. Natürlich ist
es anstrengend, zwei kleine Hündinnen kurz hintereinander
aufzunehmen und zu erziehen. Dem Rudel aber hat dies sogar gut
getan. Unsere Hunde wohnen alle mit uns ganz normal wie
Familienanhang im Haus. Sie laufen immer zusammen. In Zeiten
der Läufigkeit trennen wir Mädels und Jungs und erleben, dass
die Zeiten sich mittlerweile sehr verkürzt haben, in denen wir
strikt trennen müssen. Dabei achten wir darauf, dass keiner zu
kurz kommt und jeder weiterhin Familienanschluss hat - wenn
auch getrennt.
Nun meint man: `Prima,
nun kann`s ja endlich los gehen!`. Weit gefehlt! Um in
Deutschland im Verein züchten zu dürfen, muss man zunächst im
Verein eine Prüfung ablegen, die mit einer Besichtigung der
Zuchtstätte verbunden ist. So erhielten wir netten Besuch von
unserer Zuchtwartin, die auch in Zukunft unsere Würfe abnehmen
und begutachten wird. Vorteil ist, dass sie uns auch danach
noch mit Rat und Tat zur Seite steht. Gerade für den Anfang
empfinde ich das als große Bereicherung, dann man kann
Seminare besuchen, Bücher lesen und sich umfangreich
informieren. Trotzdem gibt es dann Fragen, die ein erfahrener
Züchter der Rasse viel spezifischer beantworten kann. Neben
dieser Prüfung legte
ich aufgrund der mittlerweile drei
geschlechtreifen Hündinnen, die wir halten, eine vom
Tierschutzgesetzt vorgeschriebene schriftliche Prüfung bei
unserer dafür autorisierten Tierärztin ab. Darüber hinaus
erfolgte eine Prüfung beim zuständigen Veterinäramt, in der
man ebenfalls schriftlich sowie in einer persönlichen
mündlichen Prüfung seine Kenntnisse über Hunde, Geburt,
Aufzucht, Sozialisierung, Impfung, Entwurmung und vieles mehr
nachweisen muss. Außerdem muss man an unserem Standort für die
Genehmigung alle finanziellen Verhältnisse und seinen
persönlichen Leumund offen legen. So soll sicher gestellt
werden, dass man tatsächlich die Zucht als Hobby und mit
ehrenhaften Absichten betreibt. Darüber hinaus kam die
Veterenärin dann ebenfalls zu einer Ortsbesichtigung von Haus
und Hof zu uns. Mir wurde bestätigt, dass ich diese Prüfung
"mit Bravour" bestanden habe.
Na dann kann`s ja jetzt
losgehen, oder? Nicht ganz! Zunächst mussten natürlich auch
unsere Hündinnen HD-geröngt, Augen untersucht und für die
DNA-Datenbank gesichert werden. Wir sind glücklich, dass alle
bisher untersuchten Hunde HD-A und gesunde Augen haben.
Außerdem mussten auch unsere Hündinnen sich einer Körung für
die Zuchttauglichkeit durch den Verein unterziehen. Auch diese
"Hürde" haben wir mit allen Mädels erfolgreich gemeistert. Nun
sind wir auf der Suche, nach dem am Besten geeigneten Rüden
für die einzelnen Mädchen. Da werden Sie sich fragen: "Wieso
denn das? Sie haben doch zwei Rüden!" Ja, das stimmt. Dennoch
macht es aus züchterischer Sicht in meinen Augen Sinn, nicht
immer - vielleicht sogar manchmal gar nicht - den eigenen
Rüden zu nutzen. Hintergrund ist, dass alles passen muss. Zum
Einen müssen die Tibis vom äußeren Erscheinungsbild zusammen
passen. So muss der Rüde eben genau die Dinge mitbringen, die
man zusammen mit den Eigenschaften der Hündin in den Welpen
wieder sehen möchte. Außerdem müssen sie vom Temperament
zusammen passen. Und etwa genau so wichtig ist, dass sie von
den Ahnen und dem, was dahinter steckt eine gute Verbindung
ergeben. Das ist gar nicht so einfach und sicher werden auch
wir trotz guter Vorbereitung die ein oder andere Überraschung
erleben. Wir werden sehen!!!
Wir haben dieses Jahr
schon einige Seminare besucht, um uns mit der Geburt und der
Aufzucht, den genetischen und den gesetzlichen
Hintergründen zu beschäftigen und auch allen anderen
Aspekte (Steuern, Vertragsrecht, Auflagen usw.) so gerecht wie
möglich zu werden. Zudem hatte ich auf dem Tibet Terrier Welt
Kongress 2007 in Birmingham die einzigartige Gelegenheit,
neben aktuellsten fachlichen Informationen aus erster Hand
viele renomierte Züchter und Aussteller aus aller Welt kennen
zu lernen und viele interessante Gespräche zu führen - ein
einzigartiges Erlebnis! Am Besten aber war, dass ich bei
Freunden "life" beim ersten Wurf ihrer Hündin dabei sein
durfte. Auch dort habe ich bereits viel gelernt und eine
riesen Vorfreude auf unsere nächsten Schritte entwickelt.
Dafür bin ich herzlich dankbar.
So ist es nun wirklich
bald soweit und wir freuen uns nun sehr auf unseren ersten
Tibi-Wurf im Winter oder Frühjahr 2007/2008. Denn nun kann es
wirklich los gehen!!! Wenn Sie mehr über uns und unser
"tibetisches Abenteuer" erfahren und sehen wollen, wie es
weiter geht, dann finden Sie uns unter www.kyalafens.de.
Über E-Mails freuen wir uns unter kyalafens@kyalafens.de sehr! Das verkürzt uns ein wenig die "Wartezeit",
denn auch das habe ich bereits gelernt: Als angehender Züchter
muss man viel Geduld mitbringen. Ich hoffe, dass ich auch
diese Fähigkeit noch irgendwie ausbilden werden!!!
Eure Silke Müller
| | |
 |